Die Hormersdorfer Mundartuhr - Foto: Matthias FleischerDie Hormersdorfer Mundartuhr - Foto: Matthias FleischerEin Beitrag von Annegrit Vorberg

Einen gewissen Stolz auf die eigene Sprache kennt jeder Erzgebirger. Unsere erzgebirgische Mundart wird im Raum des Erzgebirges gesprochen und von Experten in eine östliche und westliche Variante unterteilt. Der Ort Hormersdorf liegt im westlichen Teil des Erzgebirges und der Hormersdorfer Dialekt (griech. "Redeweise, sich unterhalten") wird dementsprechend dieser Variante zugeordnet. Doch dass die Sprache unseres Ortes etwas ganz Besonderes ist, merkt man schon bei der Besichtigung von Hormersdorf.

Ziemlich zentral gelegen findet man neben dem ehemaligen Gefängnis, dem "Pommerloch", auch die Mundartuhr stehen, welche die jeweilige Uhrzeit in Ziffern ausdrückt. Diese sprachliche Besonderheit ist in den umliegenden Orten eher unbekannt (und für Außenstehende gar nicht so einfach zu erlernen), wird aber in Hormersdorf noch von dem Einen oder Anderen gepflegt.

Unser Dorf bildet auch im Folgenden keine Ausnahme: man kann an der genauen Aussprache eines Erzgebirgers erkennen, aus welcher Region oder welchem Ort er oder sie stammt. So wird in Hormersdorf die Endung der Worte oft ausgelassen und stattdessen ein -e gesprochen, so wie bei "Mutte" oder "Kinne".

Desweiteren scheint ein Hormersdorfer bei vielen Worten den Vokal, meist a, besonders lang zu ziehen, so wie bei "Aaie" oder "Spaatzn".

Nicht nur die Aussprache, auch der Wortschatz birgt manche Besonderheit in sich. In Unterhaltungen mit älteren Hormersdorfern tauchen hier und da recht urtümliche Begriffe auf, deren Bedeutung nicht immer geläufig geblieben ist. Was ist zum Beispiel ein "Buttemaasl" oder "Ei-bin-bettl" oder ein "Denglbeckl"? Meist geraten Begriffe wie diese in Vergessenheit, da die Dinge, die sie bezeichnen, nicht mehr aktuell sind oder von neuen Erfindungen abgelöst wurden.

Geläufig bleiben dagegen die Begriffe und Worte, deren Wichtigkeit auch in der heutigen Lebenswelt vorhanden ist. "Zamnamsch" ist eine Beschreibung, die sich wohl jeder Hormersdorfer in bestimmten Lebenssituationen damals wie heute gefallen lassen muss.

Und ganz bestimmt wird das Wort "Uhiessche" und dessen negative Bedeutungsaspekte (allerdings mit Augenzwinkern) noch sehr lang aktuell bleiben, wovon jeder nach Hormersdorf Zugezogene ein Liedchen singen kann.

Wenn auch Sprache schon immer von Veränderung geprägt war und sich mit den Lebensumständen auch der Gebrauch und die Begriffe der Sprache ändern, so lohnt es dennoch, auch alte Worte am Leben zu erhalten. Diese tragen mit sich die Lebenswirklichkeit der Generationen vor uns und mit dem Erhalt der Begriffe kann auch ein wenig dem Vergessen der eigenen Vergangenheit entgegen gewirkt werden. Ob das nun durch die Erstellung von Wörterbüchern geschieht, mit regelmäßigen Treffen mundartbegeisterter Autoren (Erzgebirgische Mundarttage) oder dem Singen von erzgebirgischen Liedern in der Advents- und Weihnachtszeit sei dahingestellt.

Es ist sehr dafür zu plädieren, die kreative Vielfalt der erzgebirgischen Sprache in der gemeinsamen Kommunikation wertzuschätzen und damit auch zu erhalten. So manches Missverständnis und Schmunzeln wird dabei nicht ausbleiben. Denn in welcher Sprache zum Beispiel lässt es sich schöner schimpfen, als in der des Herzens, ihr "Dulgn"!

Worterklärung:

Mutte: Mutter
Kinne: Kinder
Aaie: Eier
Spaatzn: Spatzen
Buttemaasl: Holzform, in der Buttermasse in die gewünschte Form gebracht wurde
Ei-bin-bettl: Kleidungstück für Kleinkinder
Denglbeckl: Amboss zum Schärfen (Dengeln) von Sensen
zamnamsch: geizig, sparsam
Uhiessche: Auswärtige, Leute, die nicht aus Hormersdorf stammen
Dulgn: scherzhaft für "Blödmann"

Literaturangaben für den interessierten Leser:

Horst Becker. Sächsische Mundartenkunde: Entstehung, Geschichte und Lautstand der Mundarten des obersächsischen Gebietes. VEB Max Niemeyer Verlag, Halle, Saale, 1969.
Oswin Böttger. Der Satzbau der erzgebirgischen Mundart. PhD thesis, Universität. Leipzig, 1904.
Herbert Clauss. Geschichte und Sprache des sächsisch-böhmischen Westerzgebirges: eine dialektgeographische Untersuchung. PhD thesis, Universität Leipzig, 1933.
Annegrit Vorberg. Die Phonetik und Phonologie des erzgebirgischen Dialektes von Hormersdorf. Magisterarbeit, Universität Leipzig, 2010.